Von Grohn ins Mittelmeer mit der Alithia, Sommer 2010

Liebe Vereinskollegen!

Wir hätten uns auch längst melden wollen, aber man hat als Reisender ja so viel um die Ohren.

Jetzt, am 17. September, liegen wir in Viareggio fest und wettern ab und so haben wir die Zeit, euch einen Bericht zu senden.

Wir sind am 1.Juli im Grohner Yachthafen gestartet und haben seitdem viel erlebt und gelernt.

Zunächst ging es über Oldenburg (kurzer Stop, um Vergessenes aus Bremen zu holen), den Küstenkanal, den Dortmund- Ems – Kanal, den Wesel- Dattel –Kanal in den Rhein.

Für uns waren es die ersten Erfahrungen mit Binnenschleusen und alles war recht aufregend.

Über die Maas ging es dann weiter nach Holland und in Roermond hatten wir dann einen unfreiwilligen längeren Stop.

Am 14.7.10 ging um 18 Uhr über Roermond ein Orkan mit Windstärken von 12 nieder

(128 km/h), genau als wir 2 Meter vom Anlegesteg entfernt waren. Lisa konnte noch springen, das Schiff aber nicht halten, Joachim wollte ihr helfen, wurde zwischen Steg und Boot gedrückt, brach sich eine Rippe und zog sich eine heftige Platzwunde am Kinn zu, wurde mit dem Boot rausgezogen, dann riss sich Alithia entgültig los und schwamm alleine auf die Maas.

Erste Lehre: Niemals beide von Bord gehen, egal was passiert.

Wir wurden ins Krankenhaus gebracht, hatten nur unsere nassen Kleider am Leib, dachten: das wars.

Aber es gibt überall liebe Menschen und drei von denen machten sich noch während wir im Krankenhaus waren, mit einem Motorboot auf die Suche nach Alithia, fanden sie, brachten sie zurück und holten uns vom Krankenhaus ab.

Der Schaden am Schiff hielt sich in Grenzen, am Bug war nur das Topcoat beschädigt.

Andere hatten weniger Glück: Dächer wurden abgedeckt, Wohnwagen ins Wasser gerissen, Bäume entwurzelt, es gab sogar Tote.

So konnten wir nach einer Woche Genesungsurlaub weiter.

Es ging nach Belgien über Liege, Namur und schließlich an die französische Grenze bei Givet.

Wir hatten inzwischen viele nette Leute kennen gelernt, unter anderem zwei Schweden, die ebenfalls nach Griechenland wollten und auch ein Segelschiff haben.

Wir blieben bis zum Mittelmeer zusammen, was große Vorteile hatte. War unser Problem die Breite, war ihrs die Tiefe (1,70). Wir gingen immer zu zweit in die nun im Canal de lèst sehr engen Schleusen (5,10 x 38,50 – genau die Größe einer Peniche, das waren die alten Handelsschiffe). Wir konnten in Ruhe „einparken“, einer (meistens Joachim) kletterte die glitschige Leiter hoch (die Schleusen sind nicht für niedrige Segelboote gemacht – Festmacher sind nur oben), half den anderen beim Festmachen und betätigte die Schleusenautomatik, oder half bei den manuellen Schleusen dem Schleusenwärter beim Drehen.

Wenn wir am flachen Ufer festmachen wollten, legten erst wir mit unseren 8o cm Tiefgang an und die Schweden machten dann bei uns fest. Das ein und andere Mal zog man sich gegenseitig aus dem Schlick.

So bewältigten wir an manchen Tagen 20 Schleusen, kletterten mit unseren Schiffen bis auf 360 m in den Vogesen und stiegen wieder ab. Es gibt Menschen, die verbringen so ihre Urlaube, wir hatten trotz all der schönen Landschaft irgendwann die Nase gründlich voll vom Schleusen.

Dann kam die Rhone –ein breiter Fluss mit starker Strömung, weniger Schleusen, dafür große mit bis zu 22 m Hub, mit Schwimmpollern eigentlich kein Problem.

Aber dann kam der Mistral mit Böen bis zu 10 aus Nord und damit verbunden einige sehr abenteuerliche Schleusenmanöver.

 

Das die mutigsten Menschen aus dem Bremer Norden kommen, zeigt das Beispiel von Berni Düker (67), gebürtiger Lemwerderaner, der mit seiner Frau auf dem selbstgebauten Floß, mit dem er schon den Ärmelkanal überquert hat, nach Bordeaux unterwegs war und von uns wissen wollte, wie Werder gespielt hat.

Am 1. September erreichten wir dann nach 1871 km und 233 Schleusen Port St. Louis – das Tor zum Mittelmeer.

Hier wurde der Mast gestellt und Alithia seetüchtig gemacht.

Dann ging es bei wunderbarem Wetter Richtung Ile de Hyeres. Wir ankerten gerne, da man bei uns auch bei etwas Schaukelei noch kochen kann, die Schweden fanden das nicht so lustig und bevorzugten den Hafen auf der Ile de Poquerolles.

Als sich dann wieder Mistral ankündigte (ist im Golf von Lion nicht so witzig) zogen wir weiter Richtung Osten nach St. Tropez und beschlossen, entgegen dem ursprünglichen Plan über Korsika zu gehen, den „sanfteren Weg“ an der italienischen Küste entlang zu wählen.

Die Schweden blieben beim Plan, wetterten im Hafen von Poquerolles ab und machten sich dann auf den 24 Stunden Weg nach Korsika. Wir wissen nicht genau, was sie erlebt haben und wie die Diskussionen danach abliefen – jedenfalls beschlossen sie, ihre Reise nicht fortzusetzen, sie mieteten sich für 4 Wochen in Calvi ein und wollen danach einen Winterliegeplatz auf Korsika suchen.

Merke: manchmal führt der „sanftere Weg „ weiter.

Wir sind immer noch entschlossen nach Griechenland zu kommen, allerdings haben wir begriffen, dass alles länger dauert als gedacht. Bis zur Winterpause wollen wir auf jeden Fall „unser Revier“, das Ionische Meer um die Insel Levkas, erreichen - der ursprüngliche Plan sah Zypern vor!!

Die nächste Station wird Elba sein, wo wir ein paar Tage genießen wollen.

Denn - Lehre Nr.3 – wer den Weg nicht genießt und sich Zeit lässt, kommt in Stress und verliert die Freude am Reisen.

Wir sind nun 80 Tage unterwegs und zwar nicht um die Welt, aber doch ganz schön weit gekommen. Wir fühlen uns pudelwohl auf unserem Schiff, haben allen Luxus, den wir brauchen und bisher nichts bereut.

Das Wetter war die überwiegende Zeit toll und wir hoffen, ohne große Herbststürme an unser diesjähriges Ziel zu kommen, wo immer es auch sein wird....

Drückt uns die Daumen!

 

Liebe Grüße

Lisa und Joachim